Fachverband für Kunstpädagogik
Landesverband Bayern

Kunstpädagogik in Bayern 2012

 

Mehr Zeit und Raum für den Kunstunterricht an den bayerischen Schulen!

 

Vor drei Jahren richtete der Fachverband für Kunstpädagogik BDK e.V. in Bayern seine Petition: "Mehr Zeit und Raum für den Kunstunterricht an den bayerischen Schulen" an den Bayerischen Landtag. Die Petition wurde abgelehnt, trotzdem sich das Forum Bildungspolitik in Bayern mit seinen im Jahr 2009 35 Verbänden und Organisationen (u.a. Bayerischer Lehrer -und Lehrerinnenverband, BLLV/Bayerischer Elternverband BEV/Landesvereinigung Kulturelle Bildung LKB:BY) allen Forderungen angeschlossen hatte.

Unsere Forderungen sind nach wie vor hoch aktuell, die einseitige Betonung der MINT-Fächer hat sich zu Ungunsten der ästhetischen Fächer an den Schulen weiter durchgesetzt.

Das Gymnasium ist nach wie vor bzw. zunehmend bildungspolitisch umkämpft und entwickelt sich zu einem der entscheidenden Wahlkampfthemen der Wahl 2013. Überstürzte Reformen wie das aktuell beschlossene „Flexi-Jahr“ in der Mittelstufe und ständig neue Lehrplankürzungen (Ende Juli, 2012) versuchen der andauernden Kritik am G8 entgegenzutreten. 

 

Kunst an Grundschulen, Realschulen, FOS und Gymnasien

 

Zu wenig! - Kunst an Grundschulen

Der Kunstunterricht in den Grundschulen ist allen Jahrgangsstufen ist nach wie vor nur einstündig. Da hier meist das Klassleiterprinzip gilt, wird Kunst in weiten Teilen fachfremd unterrichtet. Gleichzeitig stellt das Klassleiterprinzip die größte Chance des Kunstunterrichts in den Grundschulen dar. Auf diese Weise gelingt immer wieder fachübergreifender Unterricht mit Ansätzen ästhetischer Praxis.

Eine fokussierte Weiterbildung von Lehrkräften in der Grundschule, die nicht im Fach ausgebildet sind, wäre eine positive Perspektive.

Zur Zeit werden die  - kompetenzorientierten – Lehrpläne neu geschrieben. Der BDK als Mitglied des Kunstrates Bayern richtete im Mai 2012 eine  Pressemitteilung an die Biildungspolitik mit der Forderung im Zuge der Neueinführung des Lehrplanes die Stundenzahl auf 2 Stunden pro Jahrgangsstufe zu erhöhen.

 

 

Wie steht die Kunst an der Realschule in Bayern im Moment da?

In den unteren Jahrgangsstufen 5 und 6 ist der Kunstunterricht sowohl lehrplanmäßig als auch im Stundenmaß gut in den  Gesamtunterricht integriert.  Kunst ist bei den Schülerinnen und Schülern sehr beliebt und wird vielfältig und engagiert seitens der Lehrkräfte  umgesetzt.

Ab der 7. Jahrgangsstufe wählen die bayerischen Realschüler ihr Profilfach: Sie können zwischen naturwissenschaftlichen, wirtschaftlichen, neusprachlichen (Französisch) und gestalterischen (Kunst/Werken) sowie sozial-hauswirtschaftlichen Wahlpflichtfächern wählen. Allerdings besteht die eigentümliche Klausel, wonach der gestalterische Zweig erst dann zustande kommen darf, wenn eine Französischklasse gebildet wurde. An den Schulen, in denen sich der Kunstzweig trotz Hindernissen etablieren konnte, besteht ein hoher Erwartungshorizont bezüglich praktischer und kunsttheoretischer Lerninhalte. Eine Anerkennung des Faches Kunst in dieser Wahlpflichtfächerverbindung als wissenschaftliches Fach wird seit Jahren vom Fachverband für Kunstpädagogik BDK e.V. gefordert und weiterhin auf verschiedenen Ebenen zur Sprache gebracht.

 

Problematisch ist die Situation an den vielen Schulen in Bayern, die keinen Kunstzweig bilden können: Eine Berufsvorbereitung für die künstlerisch - medienorientierten sowie für die handwerklich-sozialen Berufsfelder ist insgesamt nur für wenige Schüler an großen Realschulen bzw. Schulorten möglich. 

 

Zur Situation an Fachoberschulen

Die Schülerzahlen sind seit der FOS-13 stark angestiegen, das Interesse privater Träger, etwa von Montessori-Schulen, wächst ebenfalls kontinuierlich. Angestrebt wird ein Gestaltungszweig auf der Berufsoberschule.

 

Oberstufe am Gymnasium - Abitur

Zwischen 8-10% der bayerischen Schüler schrieben die letzten Jahre über die Leistungskurse Kunst schriftliches Abitur. Die Vielfalt und Qualität der letzten Facharbeiten wurde in zahlreichen Ausstellungen in Bayern im letzten Jahr dokumentiert und gefeiert. Es wird sich zeigen müssen, wie sich künstlerisch interessierte und begabte Schüler mit dem Angebot der neuen Oberstufe im G8 mit dem Konstrukt aus praxisorientierten oder wissenschaftspropädeutischen Seminaren, Addita und Grundkursen zu Recht finden werden. Fakt ist: Im ersten Durchlauf des G8, 2011,  hat nur ein kleiner Anteil der vergleichbaren Schüleranzahl des G9-Jahrgangs in Kunst ihr schriftliches Abitur abgelegt. (4520 Schüler des G9-Jahrgangs/751 Schüler des G8 Jahrgangs). Der Notendurchschnitt lag etwas unter dem Schnitt der Leistungskursschüler. Bemerkenswert ist die Geschlechterverteilung: Mit 751 Schülerinnen zu 152 Schülern zeigt sich eine signifikant höhere Wahl des Additums und des schriftlichen Abiturs im Fach Kunst bei den Mädchen.

Fast 4800 Schülerinnen und Schüler wählten das mündliche Abitur, eine Zahl die 2012 wohl noch deutlich übertroffen  wird. Viele Kolleginnen und Kollegen berichten über enormen Zulauf bei den mündlichen Prüfungen mit bis zu 80 Schülern.

Die Zahlen für 2012 liegen noch nicht vor, es deutet aber alles darauf hin, dass das schriftliche Abitur weiter rückläufig ist. Dies liegt nicht zuletzt an der Konstruktion des Additums.

 

Personalversorgung im Fach Kunst an Gymnasien

Die Personalversorgung im Fach Kunst an bayerischen Gymnasien gibt Anlass zur größter Sorge. Mittlerweile unterrichten im Fach Kunst an vielen Gymnasien Grund- und Hauptschullehrer, Referendare (z.T. ohne Betreuung vor Ort, aber mit dem Auftrag, Oberstufenkurse auf das Abitur vorzubereiten) und weitere, vorübergehend angestellte Teilzeitkräfte, teils mit, teils ohne einschlägige Fachausbildung. Trotz des offenkundigen Bedarfs und einer in manchen Regionen besonders eklatanten Unterbesetzung werden auch im Fach Kunst zum September 2012 nicht alle Bewerber ein Planstellenangebot erhalten.

Der BDK hat am Kunstpädagogischen Tag eine Umfrage unter den Kolleginnen und Kollegen zur personellen Situation durchgeführt, die z.T. alarmierende Zahlen enthält. (siehe www.bdkbayern.de)

Die UPZ am Gymnasium in Bayern beträgt für Lehrkräfte der Fächer Kunst und Musik (sowie für Sport mit Beifach) nach wie vor 28 Stunden, also 4 Stunden mehr als für Lehrkräfte mit anderen Fächern, was in den letzten Jahren die Mangelfachsituation auch in Kunst weiter verschärft und den wachsenden Bedarf und Einsatz an u.a. fachfremden Aushilfslehrkräften weiter erhöht hat, was wiederum die Arbeit der hauptamtlichen KunstkollegInnen wegen der fehlenden unterrichtlichen Kontinuität und oft mangelnden Kompetenz dieser Aushilfen eher zusätzlich belastet.

 

Ausbildung

Im Zusammenhang mit verschiedenen Neubesetzungen an bayerischen Universitäten gibt es veränderte Dotierungen der Stellen: die ehemaligen Professuren an der LMU in München wurden von einer C4 (Prof. Kehr) auf eine W2 – Stelle als Lehrprofessur mit 14 Semesterwochenstunden Lehre heruntergelegt, damit entfallen Forschung weitgehend und Promotionsbetreuung weitgehend; die ehemalige C3-Professur ist jetzt der Kunstgeschichte in der Fakultät zugeordnet.

 

Den Kunstakademien und der Hochschule für Film und Fernsehen wird das Promotionsrecht zugesprochen, das Kolloquium am Lehrstuhl für Kunstpädagogik in München zählt zwischen 10 bis 12 Teilnehmern.

Die Fortbildungsaktivitäten von transform, lokalisiert an der Akademie der Bildenden Künste München, müssen zur Zeit wegen reduzierter Mittelzuweisung durch das Kultusministerium reduziert werden.

 

Neu an den Kunstakademien ist eine erste Zwischenprüfung, die nach 6 Semestern entsprechend der neuen modularisierten Prüfungsordnung durchgeführt wird. Diese sogenannte „Kleine Wand“ fand im Sommersemester erstmals an der ADBK München statt. Schwerpunkt ist dabei die Vermittlung und Reflexion der eigenen Werkbiografie. Damit ist etwa ein Sechstel der gesamten Examensnote vorab auf Seiten der Hochschule festgestellt. Dies soll den Hochschulen mehr Autonomie im Examen übertragen und das Examen entzerren; realiter geht ein erhöhter Aufwand bei den Hochschulen wie Studierenden einher.

 

Der Freistaat Bayern lässt - wie BaWü und NRW - BewerberInnen zum Referendariat aus anderen Bundesländern zu, was hier zur Zeit v.a. von AbsolventInnen aus Thüringen und anderen neuen Bundesländern genutzt wird und angesichts des chronischen Mangels an bayerischen Bewerbern zur unterrichtlichen Versorgung in der Fläche beiträgt.

 

Lehrplan

Der neue kompetenzorientierte "LehrplanPlus" wird Schulstufen- und Schulformenübergreifend konzipiert sein, wohl in der allgemeinen Erwartung, so eine bessere Verzahnung und flüssigere Übergänge zu gewährleisten. In diesem Zuge dürfte auch die schulartspezifische Qualifikation des Lehrpersonals gegenüber der gemeinsam zu leistenden (Aus)Bildungsaufgabe als weniger bedeutsam angesehen und seine Verwendung vermutlich flexibler und budgeteffizienter gehandhabt werden. Fachinhalte und fachliche Kompetenzziele der bestehenden schulartspezifischen Fachlehrpläne, letztlich also der Fachprofile, werden auf diesen gemeinsamen Rahmen hin deutlich stärker abgestimmt und zum Teil auch neu justiert werden. Genaue Informationen zum kompetenzorientierten Strukturplan, auch zur personalen Zusammensetzung der Fachlehrplankommissionen, liegen zur Zeit allerdings leider nicht vor. Der neue Lehrplan dürfte aber zwangsläufig auch die Stellung und Perspektive der ästhetischen Fächer und Fachvertreter im schulischen Kanon neu bestimmen.

 

Barbara Lutz-Sterzenbach, Vorsitzende des Fachverbandes für Kunstpädagogik in Bayern, BDK e.V. für den BDK-Vorstand.