Fachverband für Kunstpädagogik
Landesverband Bayern

Didaktikfach Naturwissenschaft und Technik im Ersatz für Kunst, Musik oder Sport ???

Ein Brief am MR Glasl zur geplanten Änderung der LPO I

 

 

 

Sehr geehrter Herr MR Glasl,

 

als Landesvorsitzende des Fachverbandes für Kunstpädagogik in Bayern BDK e.V. wende ich mich heute wegen der vorgesehenen Änderungsverordnung der LPO I an Sie: Im Studium an Grund- und Mittelschulen soll demnach anstelle der bisherigen Fächer auch das Fach "Didaktik der Naturwissen­schaft und Technik" (NWT) belegt werden können.

Diese Änderung der LPO I wird aller Voraussicht nach zu einer weiteren Marginalisierung der ästhe­tischen Bildung in den entsprechenden Studiengängen führen. Da sowohl der gestaltende als auch medienkritisch-analytische Umgang mit Bildern in einer globalisierten, visuell orientierten Welt aber zentrale Bildungsaufgaben sind, bitten wir Sie eindringlich, diese Planungen nochmals zu überdenken.

Bislang mussten Studierende für die Lehrämter an Grund- und Mittelschulen wenigstens ein Didaktik­fach des musisch-sportlichen Bereichs auswählen. Dies bedeutet, dass diese Lehrkräfte schon heute nur in einem der Fächer Kunst, Musik oder Sport zumindest mit dem Lehrvolumen eines Didaktikfachs ausgebildet werden. Qualifizierter Unterricht in diesen Fächern aber beruht auf einer jeweils fachspe­zifischen didaktischen, methodischen und wissenschaftlichen Fundierung. Qualifizierter Kunstunter­richt umfasst zudem das Wissen um die Entwicklung ästhetischer Interessen und Fähigkeiten in der Kindheit bis hin zu den Spezifika des jugendkulturellen Ausdrucks. Aufgrund der prozessorientierten fachlichen Spezifik des Kunstunterrichts sind Methoden aus anderen Fächern nicht ohne weiteres übertragbar.

Mit der Einrichtung einer "Didaktik der Naturwissenschaft und Technik" (NWT) als Alternative wird die Anzahl der Studierenden zunehmen, die ohne Kompetenzerwerb in Kunst oder einem der anderen ästhetischen Fächer in den Vorbereitungsdienst eintreten. Die vorgesehene Umverteilung der vorzu­weisenden Leistungspunkte lässt in der Folge eine zusätzliche Reduzierung der im Fach Kunst einzu­bringenden Leistungspunkte erahnen.

Für die dritte Phase - die andauernde Fortbildung der Lehrkräfte mit zweitem Staatsexamen - werden Fortbildungen in den nicht (oder nicht ausreichend) studierten, aber dennoch fachfremd ausgeübten Fächern bislang nicht zwingend vorgegeben und werden zudem kaum wahrgenommen. Das zur Ver­fügung gestellte staatliche Fortbildungsangebot reichte zuzeit allerdings auch bei weitem nicht aus, um diese fachlich nicht ausgebildeten Lehrkräfte ausreichend weiterzubilden.

Die Folge könnte nun auch in Bayern ein Kunstunterricht an Grund- und Mittelschulen sein, der sein ästhetisches Bildungs- und Erkenntnispotenzial mit rezeptartigen, didaktisch und methodisch sche­matisierten Lehrmitteln und Verlagsangeboten verfehlt. Dies hielten wir mit dem Anspruch des Frei­staates Bayern, ein Kulturstaat zu sein, in dessen Schulen eine auch die ästhetischen Fächer angemes­sen einbeziehende Allgemeinbildung erworben wird, für unvereinbar.

 

Zusammenfassung:

Über die vorgesehenen Änderungen der LPO I wird der Anteil fachlich ausgebildeter Lehrkräfte auch für das Fach Kunst sinken. Das Studium wird der wertvollen ästhetischen Bildungsprozesse beraubt, der Kunstunterricht an Grund- und Mittelschulen kann seinem Bildungspotenzial im Kontext der aktu­ellen gesellschaftlichen Herausforderungen nicht gerecht werden.

Wir bitten Sie in diesem Sinne herzlich, Ihre Entscheidungen zu überdenken und zu Gunsten des Faches Kunst bzw. der Fächergruppe Kunst, Musik und Sport zu entscheiden.

 

Mit freundlichen Grüßen,

Dr. Barbara Lutz-Sterzenbach

Vorsitzende des BDK e.V. - Landesverband Bayern

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